Corona Virus

2019-nCoV: Keine Panik vor der Panik – DocCheck


Während die einen jedes Detail über das Coronavirus erfahren möchten, kritisieren andere, dass vor lauter Panikmache die weit gefährlicheren Influenzaviren völlig untergehen. Ich sage: Schlimmer als Händewaschen wird’s nicht.

Die umfangreiche Berichterstattung über 2019-nCoV wirkt sich natürlich auch auf das allgemeine Gemüt der Bevölkerung aus. Kritiker argumentieren gerne: Bei all der Aufmerksamkeit, die dem Coronavirus jetzt zuteil wird, rückt die Influenza, die im Vergleich deutlich mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat, in den Hintergrund. Das mag so sein. Man kann die allgemeine Verunsicherung aber auch als Chance sehen.

Worst Case: Mehr Hygiene

Ja, alle berichten derzeit über das Coronavirus. Und ja, so mancher Bürger könnte dadurch eventuell etwas überbesorgt sein. Andererseits: Was ist die Folge, wenn die Menschen aufgrund des 2019-nCoV ein wenig verunsichert sind? Im schlimmsten Fall waschen sich nun mehr Menschen die Hände als zuvor, womöglich sogar öfter und sorgfältiger als sonst. Der eine oder andere denkt vermutlich daran, in die Armbeuge zu nießen oder zu husten, anstatt in den offenen Raum. Manche schleppen sich vielleicht nicht krank zur Arbeit, wie sie es normalerweise tun würden und bleiben stattdessen im Bett. Und dann gibt es auch noch jene, die sich jetzt mit Atemschutzmasken aus der Apotheke eindecken – unnötigerweise, Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) dazu gibt es nicht. „Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig“, bestätigt Prof. Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Bis auf die Masken entsprechen alle genannten Punkte jedoch den aktuellen Ratschlägen von RKI-Experten. Und die sollen eines bewirken: die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Und das gilt letztendlich nicht nur für das gefürchtete Coronavirus, sondern vor allem auch für die Influenza. „Meiner Meinung nach schadet es nicht, die gängigen Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der winterlichen Grippewelle einzuhalten“, sagte ja auch schon Virologe Dr. Martin Stürmer im Interview mit den DocCheck News. Das vermehrte Aufmerksammachen auf Hygienemaßnahmen sieht er als Chance, „um auch gleich die jährliche Influenza-Welle in Schach halten“. Recht hat er. Außerdem ist davon auszugehen, dass auch hier sich die Aufregung mit der Zeit legen wird, so war es bei der Influenza schließlich auch.

Die saisonale Influenza  

Doch wenn wir schon beim 2019-nCoV und seiner großen Schwester, der Influenza, sind, sehen wir uns doch mal die Zahlen genauer an. Influenzaviren haben zwischen Mitte Januar und Ende Februar Hochsaison. Bis Ende der dritten Kalenderwoche 2020 meldete das RKI 13.350 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle, und 3.503 Patienten (26 %) mussten hospitalisiert werden. Es kam zu 32 Todesfällen. Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit weitaus höher.  

Forscher des Global Seasonal Influenza-associated Mortality Collaborator Network schätzen die jährliche Mortalität aufgrund respiratorischer Erkrankungen auf 294.000 bis 518.000 Fälle.

Die Bayern-Patienten

Beim Coronavirus hat sich die Zahl an Infizierten mittlerweile auf rund 6.100 erhöht, und 132 Menschen sind daran gestorben (Stand: 29.01.2020, 08:00). Jedes Menschenleben ist kostbar – angesichts dieser Zahlen sind 132 Tote durch das neue Coronavirus im Direktvergleich mit der Influenza trotzdem eine geringe Zahl. Über den ersten Patienten aus Deutschland berichtete Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), in einer Pressekonferenz. Dieser hatte sich während einer Schulung bei einer symptomlosen Dozentin aus China angesteckt. Derzeit würden 40 Kontaktpersonen überprüft – was sinnvoll war: Drei Kollegen haben sich nachweislich ebenfalls angesteckt. 

„Es scheint so zu sein, dass sich der Fall in Bayern angesteckt hat, während der Indexfall (die Person, von der die Ansteckung ausging) noch in der Inkubationszeit war, also noch keine Krankheitssymptome hatte“, kommentiert Prof. Lars Schaade gegenüber dem Science Media Center. Er ist Vizepräsident und Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene am RKI. „Wir nehmen dies zum Anlass, unsere Empfehlungen anzupassen, ab wann Patienten als infektiös gelten und wie mit Kontaktpersonen umgegangen werden soll“, erklärt er.

Das sollten Ärzte wissen 

Beim Umgang mit möglicherweise Infizierten gelten unabhängig vom Virus die gleichen Empfehlungen: „Wenn ein Patient in der Grippesaison – und die haben wir ja im Moment – mit Atemwegssymptomen und Fieber in die Praxis kommt, gibt es generell die Empfehlung der deutschen Hygienekommission, dem Patienten einen Mund-Nasen-Schutz anzulegen und ihn möglichst nicht ins volle Wartezimmer zu setzen“, sagt Prof. Ulrike Protzer. Sie ist Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München und am Helmholtz Zentrum München. „Das gilt auch für einen Patienten, der sich womöglich mit dem neuen Coronavirus infiziert hat.“ 

Um Ärzten die Arbeit zu vereinfachen, hat das RKI ein Ablaufschema zusammengestellt: 

  • Bei Patienten mit akuter respiratorischer Symptomatik und Kontakt zu Infizierten oder Aufenthalt in Risikogebieten ist an 2019-nCoV zu denken.
  • Ärzte sollten einen Kittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz (mindestens eine Maske der Kategorie FFP2) und eine Schutzbrille tragen.
  • Die Patienten sind in einem Isolierzimmer mit Schleuse oder zur Not in einem Einzelzimmer unterzubringen. Bei jedem Kontakt ist die genannte Schutzausrüstung anzulegen.
  • Zur Desinfektion eignen sich Präparate mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.
  • Das zuständige Gesundheitsamt ist umgehend zu informieren.
  • Zur Diagnostik werden Proben des Sputums, des Trachealsekrets beziehungsweise der bronchoalveolären Lavage per RT-PCR verwendet; zusätzlich sollte ein Naso-/Oropharynx-Abstrich untersucht werden.
  • Die Therapie orientiert sich an der Symptomatik; zugelassene Arzneistoffe gibt es nicht.

DocCheck

Quelle: 2019-nCoV: Keine Panik vor der Panik – DocCheck

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